Sonntag, 24. Juli 2016

radwandern an der lahn - ganz wörtlich

seit ich vor ein paar jahren zwei etappen gelaufen war, geisterte der lahnwanderweg immer wieder durch meine tourenplanung. als ich sah, dass für das gesamte wochenende kein einziger eintrag in meinem kalender stand, fasste ich meinen entschluss: samstag gehste rasenmähen, sonntag an die lahn. und genau so hab ich es gemacht.

ich packte das bike in den kofferraum des berlingo und fuhr nach weilburg. am bahnhof konnte ich für 1 euro einen ganzen tag lang parken. prima, ich konnte mir für die ersten läppischen 20 kilometer, die ich mir vorgenommen hatte, also reichlich zeit lassen.

aber zunächst einmal guckte ich ratlos nach der wegbeschilderung. war sie blau? rot auf gelbem grund? ganz anders? und wieso führte mich das eine schild bergan? jetzt schon? aber das gps versicherte: passt schon. ran an den berg.

ich wusste das jetzt noch nicht: so steil, wie es hoch ging, würde es auch wieder runter gehen. und nicht einmal am anfang der tour und einmal am ende, nein, ständig. aber zunächst rollte ich gemütlich über die lahn.

die nächste überraschung: der wanderweg war schmal. sehr schmal. und überhaupt nicht radelgerecht. und links neben mir gings schnurstracks in die lahn hinein. also nahm ich radwandern wörtlich und schob das bike. der pfad war auch so rutschig genug.
deshalb also stand da vorhin das schild mit der warnung vor steinschlag!

das war ja schon fast wie in der wutachschlucht!

da gehts hoch! zunächst war ich noch ein stück gemütlich auf dem schönen pfad an der lahn entlanggerollt, bis mir irgendwann auffiel, dass ich schon eine weile keine wegmarkierung mehr gesehen hatte. angehalten, ruck sack ab, gps-gerät befragt: tatsächlich, ich musste wieder zurück, da war ein abzweig gewesen. mein lieber schwan, hier gings vielleicht hoch! da musste ich sogar beim schieben pausieren, um wieder luft zu kriegen.

geschafft (so dachte ich zumindest)! auf der höhe führte mich der weg durch eine lindenallee, die 1710 angelegt worden war. die älteste lindenallee deutschlands!
und weiter gings bergan, ich hatte mittlerweile das höhenprofil von der tourbeschreibung rausgekramt und bekam eine ahnung, was mir noch bevorstünde. auf dem papier sahen die steigungen wirklich harmlos aus, aber was ich bis jetzt erklimmen musste, hatte mich schwer ins schwitzen gebracht. die kleine quelle kam mir gerade recht, ich löschte meinen durst und füllte den wasservorrat nach.

au backe, bis ganz da hoch!? ich dachte an meinen tagesparkplatz am bahnhof und stieg ab. zeit zum wandern und bike-schieben hatte ich ja genug.

wow, was für eine aussicht! so mühsam die bergaufpassagen waren, so doll rollte es auf der ebene dahin oder bergab.

die kleinen abzweige übersah ich im flotten tempo (oder im konzentrierten bergauf-kurbeln) doch allzu schnell. halb so wild, wenn es bergan ging, aber zu weit bergab zu fahren, wäre echt fies.

das auf und ab machte mich müde, die hitze setzte mir auch zu. wieder einmal schob ich das bike einen engen taleinschnitt bergan. und noch nicht einmal der fotostop war mir vergönnt, zack, hatte ich eine hungrige bremse am bein. biester!

ganz still war es jetzt im wald, kein vogel zu hören. nur insekten schwirrten emsig durch die luft. der weg schlängelte sich jetzt eben am hang entlang, in tiefe einschnitte hinein. aber an fahren war gar nicht zu denken, der weg war vollkommen aufgeweicht, eine einzige schlammpiste mit tiefen und großen pfützen. kein wunder, dass es hier sogar libellen gab.

ich hatte es beinahe geschafft, das ziel war in sicht. jetzt ging es nur noch bergab. unten im tal sah ich schon die lahn und ich machte noch einmal eine pause auf einer bank. hinter mir lag ein altes "grubengelände" und ich war sogar zu müde, das verfallene gemäuer zu inspizieren. au wei!

die pause hatte gut getan und ich entschied mich, nicht den zug zu nehmen, sondern an der lahn entlang nach weilburg zurück zu radeln. immerhin 14 kilometer. oder nur. egal. der wind kühlte mich ein wenig ab und in weiser voraussicht hatte ich noch ein käsebrot im rucksack. nach einer rast im warmen schatten rollte ich los.

die kirschen, die ich heute morgen gekauft hatte, waren im berlingo schon beinahe zum kompott geworden. ich setzte mich in den kofferraum und naschte ein paar. als ich wieder bei kräften war, machte ich mich auf den heimweg. natürlich mit abstechern, alles andere wäre ja langweilig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen