Montag, 24. März 2014

zu fuß geht es auch

zur not frisst der teufel fliegen. dieses sprichtwort geht uns nicht aus dem kopf, während wir über zahlen und texten, über zusammenhängen und widersprüchen brüten und die stunden, ach was, die tage, an uns vorbei fliegen. in uns reift ein plan: flüchten zu fuß. direkt vom büro weg. was braucht's dazu? den plan, die absicht, wanderstiefel und rucksack, käsebemme, eine kleine ausrede und keinen regen.

der regen schließlich scheint uns einen strich durch die rechnung machen zu wollen. im postfach piept eine wetterwarnung nach der anderen und wir sehen die gewitterwolken über den berg ziehen. auch eine nach der anderen. oder ist es eine große?
plan b? wir ziehen das ganze morgen durch. plan c? nächste woche. plan d? wenn wir in rente sind ... äh ...

gerade, als wir auf plan b umschwenken wollen, verzieht sich die wetterfront nach osten. da ist sie gut aufgehoben, wir springen in die wanderklamotten, verstauen die bürokluft im schrank und ab dafür.


besser hätten wir es nicht treffen können.

es ist noch empfindlich kalt im schatten und wir streifen brav die mützchen über. der heimweg heute ist ein echter genuss.


unterwegs entdecken wir ein verwunschenes schlosstürmchen samt ergrautem burgherrn. auf einer kuppe einen tümpel voller froschlaich. mitten im wald einen blühenden baum. direkt auf unserem weg ein döselchen. und dass es gut tut, die letzten 500 meter mit der s-bahn zurückzulegen.

hoffentlich schmecken dem teufel die fliegen auch so gut, wie uns diese flucht gut getan hat.



Sonntag, 16. März 2014

tauwetter

was haben wir uns den koffer vollgepackt mit neopren-gefütterten stiefeln, handschuhen, schals, mützen, skishirts und nicht zu vergessen den langen unterhosen! und dann das:


sonne, soweit das auge reicht und keinen sonnenschutzfaktor in greifbarer nähe. um also null risiko einzugehen, lassen wir das dach vom fluchtwagen zu und schlagen uns zu fuss durch die wälder.

in den schattigen ecken liegen noch vereinzelte schneefelder und der wind streicht eisig kalt darüber weg. wir können zuschauen, wie der schnee weniger wird und sich in unzähligen rinnsalen im nächsten bach verliert.


langsam geht der tag in den abend über. wir lehnen uns an das von der sonne gewärmte holz der hütte und genießen den blick in den klaren himmel. tauen wir auch langsam aus der winterstarre auf? wolken, kälte, regen und nebel hatten wir in den letzten monaten mehr als genug. graue bürowände sowieso.


Samstag, 8. März 2014

staub statt matsch

so ein regenschauer hat schon etwas gutes: letzte woche hat er uns nach unserem belgienabenteuer die autowäsche erspart und bei einer rallye sorgt er dafür, dass es schöne drifts zu sehen gibt. heute ist in der pfalz rallye-time und wir freuen uns schon die ganze woche darauf. aber leider ist vorfreude auch bereits die schönste freude, denn von regen keine spur.


wir sind noch ein wenig im schnüffel-modus und machen eine kleine erkundung der alten kaserne. wäre heut nicht samstag, dann würden wir auch noch die wege rund um das stillgelegte gelände erforschen. aber es sind einfach schon zu viele leutchen mit ihren treckern in sachen holzwirtschaft unterwegs, um hier ungestört herumzukurven.


statt in gummistiefeln durch matsch zu staken, lassen wir uns von der herrlichen märzsonne aufwärmen. wir sind viel zu früh an der wertungsprüfung und können in aller ruhe beobachten, wie nach und nach die ersten fotografen, zuschauer und schließlich streckenposten eintrudeln und stellung beziehen. zwischendurch holen wir uns im rallyezentrum marschverpflegung: mettwurstbrötchen und brühwurst schmecken köstlich. mit einem mal ist es aus mit der beschaulichkeit und ein rallyeauto nach dem anderen saust an uns vorbei. lustig anzusehen sind die fotografen: nach jedem wagen drehen sie sich hurtig mitsamt ihrem equipment um 180 grad, decken schnellstens mit ihren händen ihre geräte ab. um die geschossenen bilder zu prüfen? von wegen: um sie vor der gigantischen staubwolke zu schützen!


wir haben zum gucken eine gute ecke erwischt: die autos starten hinter uns, röhren durch die felder, biegen rechts ab, nochmal rechts auf einen kleinen schotterweg - dort gibt es bereits die eine oder andere geräuschvolle berührung mit der armen scheune, die im kurvenausgang steht -, dann gehts vor allem für die weichgefederten rallyeexemplare rumpeldipumpel über einen bach und in einer leichten linkskurve hier zu diesem scharfen rechtsabzweig, an dem wir stehen. 90 autos sind am start und zweimal kommen sie an uns vorbei. die zeit vergeht im flug.

zum abschluss gehen wir noch eine dose suchen. "alter viadukt", das klingt vielversprechend. wie immer brauchen die koordinaten eine weile, bis sie uns finden und die zeit bis dahin vertreiben wir uns damit, eine stelle zum wenden zu finden. und was finden wir da?


kein verbotsschild weit und breit.


Samstag, 1. März 2014

rückwärts gehts wieder raus

gestern haben wir beim abendessen bereits grob die route für den heutigen tag geplant. wir wissen jetzt, dass wir uns um die kleinen befestigten wege keine sorge machen müssen, denn sie laufen uns früher oder später sowieso in unserem navi vor die füsse. wir bestellten noch ein dunkles bierchen und zeichneten so etwas wie ein kleines roadbook: da nach süden, dort kurz nach westen in die nächste gasse, anschließend richtung ... und so weiter. danach betteten wir uns bereits am frühen abend zur ruhe. abenteuer machen müde.

die orientierung nach unserem selbst skizzierten routenplaner klappt hervorragend: die kleinen blauen hinweisschilder geben uns das nächste örtchen vor, das navi zeigt uns mit seinen dünnen strichelchen an, wo sich ein umweg lohnt.


manchmal fahren wir auch in eine sackgasse hinein, wenn sie uns interessant erscheint. auf diesen weg macht uns ein verwitterter wegweiser aufmerksam, der waldweg scheint irgendwo an der autobahn zu enden. er ist holperig und wird zunehmend rutschiger, so dass wir sehnsüchtig auf eine gelegenheit zum wenden hoffen. zum glück kommt sie, bevor wir endgültig versumpfen.


dann führt ein äußerst rumpeliges asphaltsträßchen durch ein ausgedehntes waldgebiet. keiner der bisher gefahrenen schotterwege hat uns eine solche konzentration abverlangt wie diese achterbahn. wir hopsen an einem waldweg vorbei, schauen sehnsüchtig hinein, aber der gegenverkehr ist schneller als unser entschluss, also warten wir die nächste gelegenheit ab. da ist sie:


wie bereits gestern könnten wir hier noch stundenlang unsere zeit verbringen, aber wir wollen heute noch zum kloster orval, die ruinen besichtigen und klosterbier kaufen. ja, genau in dieser reihenfolge!
also legen wir einen zahn zu.


aber halt! was ist das? gerade erholen wir uns von einer anstrengenden treibjagd durch eines dieser elendig flotten belgischen autos, da erspähen wir das kleine strichelchen im navi, das links von unserer straße abzweigt, um wenige hundert meter weiter wieder darauf zu treffen. so ein kleiner abstecher wird ja wohl noch erlaubt sein ...


die ganze geschichte wächst sich zu einem wahren abenteuer aus. jetzt ist der kriechgang gefragt, denn durch diesen ozean wollen wir unbeschadet hindurchkommen. wir staunen nicht schlecht, als wir eine brücke mit schiedeeisernem geländer passieren. für ihre schotterwege lassen sich die belgier wirklich so einiges einfallen. kompliment!

jetzt bleibt uns aber wirklich der mund offen stehen. wo sind wir denn hier gelandet!?


bevor wir in den tiefen des berges verschwinden, entscheiden wir uns wieder für einen geordneten rückzug. kriechen im rückwärtsgang.

jetzt ist genug, wir lassen sogar den foret de herbeumont, der uns auf unserer belgien-karte so einladend anlacht, links liegen. ab nach orval.


der richtige ort, um ruhe zu finden.

und der richtige ort, um uns von belgien zu verabschieden. danke schön, wir hatten eine großartige zeit in diesem herrlichen land, wir kommen wieder!


spätestens, wenn das bier alle ist ...