Freitag, 28. Februar 2014

keine angst vor spinnen

wir sind etwas aufgeregt, als wir morgens aufwachen. was erwartet uns? schließlich sind wir nicht nur wegen dem belgischen bier hierher gekommen, sondern in der hoffnung, dass uns die eine oder andere schotterstrecke unter die räder kommt. in der dämmerung gestern abend hat uns das fahren ein wenig gestresst, die belgier selbst fahren flott, während wir mit unserer beschlagenen scheibe kämpften, nervös auf die aussentemperatur schielten und dabei an die langen unterhosen daheim im schrank dachten, den schlaglöchern auswichen (haben belgische autos andere fahrwerke?) und enttäuscht wahrnahmen, dass die abzweigungen in die ersten "fahrwege" alles andere als feld- und waldwege sind. in schottland hatten wir diese straßen als "single-track-roads" kennengelernt. nix schotter. dann war da aber noch dieser panzer auf der verkehrsinsel gewesen ...  den, so beschliessen wir beim frühstück, schauen wir uns als erstes an. wär doch gelacht, wenn wir nicht irgendetwas interessantes zu erzählen hätten.

wir sind noch keine fünf minuten unterwegs und folgen einer kleinen straße, die zuhause schon längst das verbotsprädikat "landwirtschaftlicher verkehr frei" hätte, als uns im navi das kleine spinnenbeindünne strichelchen auffällt, das rechts abzweigt. uns bleibt schier das herz stehen:


genau das haben wir gesucht! haben wir das verbotsschild übersehen? nein, es gibt keins.

jetzt tun wir gut daran, dem navi zu vertrauen. ein ganzes netz von strichelchen taucht vor uns auf. wenige wege sind gesperrt und wir haben mehr als genug damit zu tun, die zu fahren, die wir dürfen.


wir fühlen uns im paradies!


nicht alles, was hier erlaubt ist, erscheint uns vernünftig. immerhin sind wir alleine unterwegs, haben zwar den bergegurt im kofferraum, aber ohne zugfahrzeug oder seilzug nutzt uns das auch nichts. da sind wir zuweilen recht froh über unseren handlichen wendekreis und nehmen den nächsten weg in angriff. 


was ist das für eine freude! aber wenn wir so weitermachen, kommen wir nicht vom fleck. heute abend beziehen wir ein quartier mitten in den ardennen, dazu müssten wir noch ein stückchen weg hinter uns bringen.

am signal de botrange halten wir auf der höchsten stelle des venns, sogar auf der höchsten von ganz belgien, und vermissen auf unserem moorspaziergang im eisigen wind schmerzlich die langen unterhosen. ist das da hinten die kühlwasserwolke vom kraftwerk weisweiler, das wir gestern gesehen hatten?


kurz vor spa probieren wir nochmal unser glück: gibt es hier spinnenbeindünne strichelchen? es gibt sie, rund um das kleine örtchen herum, in dem wir die nationalstraße verlassen haben. eins sieht besonders vielversprechend aus, es verlässt das dorf, scheint die talsenke zu queren und nördlich auf die straße zu treffen, der wir ohnehin folgen müssen. bevor wir uns in dieses abenteuer stürzen, bremsen uns einheimische auf ihrem quad aus. wir können zwar auf französisch ein bier bestellen, aber erklären, was wir hier treiben ... und dann womöglich noch wenden müssen und nochmal dran vorbei ... wir entscheiden uns für einen geordneten rückzug.


in la roche-en-ardenne füllen wir diesel nach. das städtchen wirkt sehr einladend, aber es hat wieder begonnen, zu regnen. wir sind müde, hungrig, freuen uns auf unser quartier. die straße windet sich aus dem engen tal der l'ourthe auf die höhe hinauf, die belgier hinter uns drängeln erneut. ein letztes mal biegen wir auf einen "fahrweg" ab.


ehrlich gesagt: wir sind heilfroh, als wir heil wieder aus diesem wald heraus kommen. uns sind auf den straßen einzelne holzlaster begegnet, nicht auszudenken, wenn uns jetzt einer entgegenkäme. schon ein goggomobil würde uns auf diesen aufgeweichten wegen in böse bedrängnis bringen.

genug abenteuer. morgen ist auch noch ein tag.

zum abschluss noch der panzer von heute früh. er bewacht den eingang zum camp elsenborn:


Donnerstag, 27. Februar 2014

une biere, s'il vous plait

das ist unsere größte sorge: nach belgien zu fahren und dann kein bier bestellen zu können, weil die letzte französisch-stunde in der volkshochschule so lange zurück liegt. hätten wir vielleicht doch noch einen crashkurs ...? gut gerüstet hingegen fühlen wir uns mit unserer belgischen straßenkarte, in der "fahrwege" markiert sind. unter "fahrwegen" stellen wir uns all das vor, was unser herz höher schlagen lässt. etwas stutzig macht uns, dass auf dieser karte alle straßen auf der deutschen seite als "fahrwege" dargestellt sind. wenn es in deutschland aufregende "fahrwege" gäbe, das wüssten wir, oder?

wir gehen es ganz langsam an. zunächst liegt zwischen uns und belgien ein ordentliches stück autobahn. selbst das bringen wir gemütlich hinter uns. in einer kleinen autobahnraststätte mit gepflegtem örtchen kümmern wir uns um unseren koffeinpegel und bewundern die mädels, die sich für einen zünftigen karnevalsbesuch in köln oder bonn oder sonstwo bereit machen: die eine schwenkt die haarspraydose, die andere die sektflasche. viel spaß!

einen kurzen besuch statten wir dem rheinischen braunkohlerevier ab. seit wir vor jahren in der lausitz tourten, haben wir einen heidenrespekt vor diesen riesigen kohlegruben, kraftwerken und den orten und straßen, die ganz langsam in den gigantischen baggerschaufeln verschwinden. landschaft im wandel.


auf dem weg ins hohe venn quert unsere straße ein ums andere mal die panzersperren des westwall. diese betonklötze ziehen sich durch felder, durch wälder, manchmal auch einfach durch gärten.

das thermometer zeigt knapp 1 grad, als wir die belgische grenze überfahren und in den regen mischt sich schnee. heute machen wir uns das mit dem bier noch einfach: in den belgischen ostkantonen können wir uns getrost mit deutsch verständigen.

was erwartet uns morgen?


Sonntag, 23. Februar 2014

schwere entscheidung

immer diese entscheidungen ... laben wir uns heute an bratwurst und bier oder holen wir uns nasse füsse in einem dunkeln tunnel auf der suche nach einer dose? nach langem abwägen der jeweiligen vor- und nachteile (welche vorteile hat, bitte, ein dunkler, nasser tunnel an einem sonnigen februarnachmittag?) entscheiden wir uns schweren herzens gegen den heimatlichen karnevalsumzug, packen gummistiefel und taschenlampen ein und ziehen los.
 
in den pausen zwischen ihren ansagen hören wir die navigationsdame in ihrem kästchen leise fluchen, denn ein ums andere mal ignorieren wir ihre ratschläge und biegen entgegengesetzt ab. das navi glüht beinahe, weil ständig eine neue route berechnet werden muss. und das am sonntag. wer hat diese mehrarbeit genehmigt?
aber wir wollen einfach nicht auf die autobahn, wir wollen in ruhe übers land rollen.

hier vermissen wir nichts. schon gar keine autobahnraststätte.

wo ist er denn nun, der tunnel? das navi ist schon eine weile von seiner sonderarbeit befreit, jetzt fahren wir frei schnauze. auf der karte sehen wir eine alte bahntrasse. bahn und tunnel, das passt. wir parken an der nächsten wegeinfahrt, schlüpfen in die gummistiefel und folgen den anweisungen vom gps-gerät (das ist nicht ganz so geduldig wie die navi-dame, deshalb sind wir auch ganz brav). ja, was ist denn das? da kommt kein bähnle durch den tunnel, sondern der bach! wir waten ins nass, haben mühe, unsere stiefel wieder aus dem schlick zu ziehen und halten ausschau nach der dose. da ist sie. schön hochwassersicher aufgehängt.

da kommt kein zug. aber vielleicht ein kreuzfahrtschiff?

na, das war doch ein schönes abenteuer. wir überlegen: wenn es schon verlassene tunnel gibt, gibts dann nicht auch irgendwo einen verlassenen bahnhof? er muss ja nicht gerade unter wasser stehen, mit ein paar schlaglöchern wären wir schon zufrieden. wir befragen die karte: da, ein wenig östlich von uns, da könnten wir fündig werden.

und wie wir fündig werden :-D

hinter dem neuen, schicken einkaufszentrum liegt ein schöner verkehrskreisel. wir nehmen die kleine unscheinbare ausfahrt und landen auf holperigem kopfsteinpflaster. die schmale pflasterstraße taucht unter einer unterführung durch, links geht es in die straße "am bahnhof". bingo.
vom bahnhof ist nicht mehr viel zu sehen, verlassene gewerbebauten künden von einst blühenden zeiten. der pflasterweg führt uns entlang der gleise ...


 ... durch eine parade herrlicher pfützen auf einen aufgeweichten waldweg, der in einem aufgewühlten wendekreis mündet. wunderbar.

jetzt ist es aber zeit, uns ein wenig umzuschauen. wir stellen den wagen ab und beobachten eine betagte dame, die sich am bahndamm entlang hangelt. hoffentlich sind wir auch noch so abenteuerlustig, wenn wir einmal in ihrem alter sind, der pfad hat es in sich, ist ziemlich glitschig und steil.


wir haben noch eine dose auf der liste ...

... und ein paar sträßchen vor uns. sie sind schmal, holperig, führen uns in dörfer, in denen durchweg tempo 30 angesagt ist, so eng stehen die häuser. dass es so etwas noch gibt.

Dienstag, 18. Februar 2014

immer noch nicht gewaschen

seit zwei wochen steht der fluchtwagen in der garage und langweilt sich. und wir sind mit vorbereitungen beschäftigt: unsere greenlaning-tour in holland findet nicht statt, aber der urlaub ist genehmigt, was also tun? wir werden auf eigene faust durch die belgischen ardennen schnüffeln. dabei interessiert uns nicht, ob belgien autobahn-maut kassiert, wir wollen die kleinen und kleinsten straßen finden.

und endlich halten wir eine belgische straßenkarte der ardennen in den händen mit einem schmucken wildschwein vorne drauf. "fahrwege", das sind die weißen dinger da und davon gibt es eine ganz menge. freu.


und bis dahin genießen wir den hellen vollmond, lauschen den rufen der nachtvögel und sehen zu, dass uns unser broterwerb nicht allzu verrückt macht.


Dienstag, 11. Februar 2014

wartungsarbeiten

vorletzten freitag waren wir ja mal wieder nachts draußen im wald unterwegs. das war vielleicht kalt! und von wegen dunkel: die wege heftig vereist, der schnee teilweise bis zu 15 cm hoch. so hatten wir trotz neumond noch genug zu sehen. die taschenlampen haben wir nur herausgekramt, um die füllmenge des gipfelschnapses zu kontrollieren.

auf einem der wege, der fies zu laufen war, weil vereist und seitlich abschüssig, sahen wir plötzlich vor uns licht. nachts stellen sich uns bei sowas auf einen schlag alle antennen auf vollen empfang - und tatsächlich, das licht bewegte sich auf uns zu. ach was, ein licht! zwei scheinwerfer waren das! eindeutig ein auto. was hatte, bitteschön, um diese nachtzeit zu dieser jahreszeit noch dazu zu neumond ein auto im wald verloren?

statt uns mit unserer schnapsleuchtlampe bemerkbar zu machen, machten wir uns unsichtbar und hechteten hinter die nächste dicke fichte. vorsichtig tastete sich das auto über den vereisten weg, ein dicker brummer, ein - was denn sonst? - fetter geländewagen. immer diese geländewagen!
wir schauten ihm nach und erkannten am festlich beleuchteten kennzeichen: das ist kein einheimischer.

autsch, das erinnerte uns an etwas ... seit wochen (bestimmt keinen tag länger!) fahren wir ohne nummernschildbeleuchtung durch die gegend. schlechtes gewissen hoch zehn. ein wenig haben wir uns auch gedrückt davor, denn beim suppenlaster ist das so was von vertrackt, da lassen wir lieber den fachmann ran.

jetzt wird es also mal höchste zeit, sich das beim fluchtwagen anzuschauen.
resultat:


sie leuchten wieder! das ist ja so was von kinderleicht!

und der wagen gehört dringend gewaschen ... :-)


Samstag, 1. Februar 2014

sofawetter

wär es nicht so kalt, wir würden denken, es wäre april. nicht nur, dass auf der verkehrsinsel um die ecke die gänseblümchen fröhlich blühen - gestern nacht haben wir noch die leuchtenden sterne am klaren nachthimmel bewundert und heute morgen ist alles grau in grau. gegen mittag beginnt es schließlich zu regnen und bis abends hört es nicht mehr auf. können wir morgen dann wenigstens mit kurzen hosen los?

trübe aussichten

für heute also hätten wir eine schöne ausrede, uns auf dem sofa zu verkrümeln. genug zu lesen und filme zum gucken wären auch da. 

dass es nicht so gekommen ist, ist klar, oder? sonst würde jetzt hier ja kein eintrag stehen.

aufs sofa können wir heute abend noch, wir fahren erstmal zum spielen auf den berg. dort hat der räumdienst letzte woche zwar straßen und parkplätze frei geschoben, dafür aber auch ordentliche schnee- und eiswälle aufgehäuft. und da können wir jetzt schön drüber klettern.


verdeckt von unserer motorhaube liegt vor der kleinen vereisten rumpelstrecke ein schönes, tiefes wasserloch.
auch ein roter caddy gesellt sich zu uns und hat eine menge spaß an diesem mini-parcours.

dichter nebel hängt über dem berg. in den regen mischt sich schnee. die parkplätze sind wieder proppevoll und die rodelbahn vermutlich auch. heute werden dort auf dem vereisten untergrund bestimmt einige geschwindigkeitsrekorde gebrochen.

uns ruft das sofa. ist ja gut, wir kommen.