Sonntag, 28. Juni 2015

schlaflos durch die nacht

mit spannung hatte ich diesen tag erwartet, jetzt war es soweit: die wanderung durch eine komplette nacht stand an. morgens brachte ich den suppenlaster an den zielpunkt der wanderung, ich wollte nicht nach den nächtlichen wanderstunden noch richtung bahnhof humpeln müssen, sondern im morgengrauen freundlich von meinem auto begrüsst werden und mich dann müde hinters vertraute steuer setzen. mittags meldete die wetterapp: unwetterwarnung. na, das würde ja etwas geben ...

pünktlich zum abend klarte der himmel auf. statt mich bettfein zu machen, richtete ich die ausrüstung und legte die klamotten zurecht. zuletzt hatte ich so was während meiner discozeit gemacht und die liegt eine klitzekleine weile zurück - und da hatte ich auch garantiert keinen rucksack und warme wäsche eingepackt.


dreiundzwanzig uhr. es ging los. der mond begrüßte uns am nachthimmel und wir tauchten in den wald ein.
das mondlicht zauberte helle flecken auf den weg und in den wald. aus der ferne grübelten wir, ob vor uns pfützen oder lichte kreuzungen lagen, manchmal sah es aus, als ob im wald riesige weiße decken hingen und anfangs zuckten wir vor unserem eigenen schatten zurück. immer wieder jedoch blieben wir stehen und sahen ins silberne licht.


mitternacht. wir erreichten die hütte an der großen straßen- und wegkreuzung und machten, als ob nichts wäre, ein erstes picknick. mag jemand kekse? noch einen schnaps? bevor uns kalt wurde, zogen wir weiter. auf dem etwas erhöhten grasstreifen des weges balancierten wir an den riesigen pfützen vorbei, die der nachmittägliche regen aufgefüllt hatte. unten im dorf lärmte die jugend auf dem dorffest.


kurz vor zwei. für eine kleine weile spuckte der wald uns aus. jetzt ging es runter ins tal. bevor der mond hinter den bäumen verschwand, setzten wir uns für eine kurze pause mitten auf den weg und bestaunten den herrlichen nachthimmel. die sterne waren deutlich zu sehen und die milchstraße zu erahnen. es war traumhaft schön.

die hälfte der strecke hatten wir geschafft. vorhin hatten wir ein paar hundert meter landstraße zu laufen gehabt. im grunde kein thema, aber mitten in der nacht? wir hatten uns bereits im straßengraben geduckt, aber das auto bog dann doch ab. es gibt begegnungen, da verzichte ich nachts gerne drauf. wildschweine und fremde autos gehören da auf alle fälle dazu.

es war stockdunkel. der weg, den ich letzte woche ausgekundschaftet hatte, erwies sich als ungehbar in der nacht. es war nicht auszumachen, wo der weg begann, wo er endete. selbst das gps-gerät ließ uns im stich, die satelliten hatten uns verloren. ich schaltete das funzellicht der kleinen stirnlampe an. jetzt konnte es weitergehen und wir erreichten problemlos den talgrund.


halb vier: der himmel hellte sich im osten bereits auf. noch war es ganz still im wald, nur wir stolperten zunehmend müder über den weg. wir querten die landstraße und tranken einen letzten schluck wasser. ein auto kam auf der straße herangefahren und hielt plötzlich an, keine 100 meter von uns entfernt. wir machten einen schritt in das schützende dunkel der bäume und linsten zum auto hinüber. komische sache. wir machten uns besser aus dem staub und atmeten auf, als wir hörten, wie das auto sich entfernte. wer weiß, was da vor sich gegangen war.


vier uhr. wir hatten den wald verlassen, die bergkapelle lag vor uns. es wurde zunehmend heller und die erste krähe begrüßte laut den jungen tag. die luft war kalt und feucht, wir froren. als wir das auto erreichten, hatten auch die anderen vögel ihren gesang angestimmt. wir waren angekommen. wir hatten es geschafft!

Sonntag, 21. Juni 2015

wo kann ich denn hier parken?

ich wollte mir noch einmal den ort genauer anschauen, an dem wir nächste woche nach unserer nachtwanderung im ersten morgenlicht einlaufen würden. unterwegs machte ich am großen felsen halt.


natürlich hatte ich das neue fotomodell dabei. ich war schließlich mit dem suppenlaster unterwegs, da ist platz für alles drin ;-)


die straßen waren herrlich frei und ich konnte flott durch die landschaft rollen. immer wieder ging mein blick in die abzweigungen. dieser abzweig sah vielversprechend aus. ich wendete und schaute mir die sache genauer an.


ein halb überwachsenes asphaltsträßchen ... verdächtig. wo würde ich landen? ich erinnerte mich an einen wegweiser, den wir bei unserer wanderung vorgestern passiert hatten. der eine weg bergan war auch asphaltiert gewesen. das gegenstück zu diesem hier? ich gelangte zu einem wasserwerk und beschloss zu wenden, das tal von vorgestern war naturschutzgebiet gewesen. abenteuer haben auch ihre grenzen.


ich fuhr zur bergkapelle und schaute mir an, wo ich nächstes wochenende das auto parken könnte, mit dem wir wieder nach hause gelangen wollten. alles kein problem, parkflächen ohne ende. super. ab nach hause.

Freitag, 19. Juni 2015

nachttraining

ich träume schon eine ganze weile davon, einmal komplett durch eine ganze nacht zu wandern und hatte dafür auch schon eine idee für die geeignete strecke. nächstes wochenende ist es nun soweit: gegen elf nachts würden wir los gehen und zur morgendämmerung am zielort einlaufen, einer herrlich gelegenen kapelle auf einem bergrücken. wir wären wahrscheinlich totmüde und durchgefroren, aber erfüllt vom erlebnis. die strecke stand also grob, einen teil bin ich vor jahren einmal mit dem bike gefahren, aber der letzte teil, den musste ich noch austüfteln.


endlich hatte es nach den endlos trockenen letzten wochen wieder einmal geregnet und dichte dampfschwaden stiegen aus den taunuswäldern auf.


wir hatten unseren fuhrpark um ein weiteres mitglied erweitert und nutzten heute den ausflug für eine erste ausfahrt.


die route, die ich ausgesucht hatte, begeisterte uns und der mustang schlug sich selbst auf dem weichen und unebenen untergrund wacker. die tour war eine reine freude.


der letzte wegabschnitt würde gerade in der nacht eine herausforderung sein, denn es ging einen hohlweg hinab, der mit trockenem laub aufgefüllt war und darunter verbargen sich steine und dicke äste. als wir das tal erreichten, gelangten wir zu einer herrlichen wiese.


jetzt führte der weg den talgrund entlang, um dann leicht bis zur landstraße anzusteigen, von wo aus wir nachtwanderer die letzten zwei kilometer vor uns hätten.

plötzlich erblickten wir vor uns auf dem weg ein reh.


es stand mit dem hintern zu uns und nahm uns zunächst nicht wahr. äsend verschwand es im tiefen gras und wir näherten uns vorsichtig. aber es blieb verschwunden. vielleicht war es im schutz des hohen grases von uns unbemerkt in den wald gelaufen.

wir erreichten die landstraße, querten und folgten dem weg bis zum nächsten abzweig. auf der karte des gps-geräts war der abzweig nicht zu erkennen gewesen und ich hatte nach gefühl die gps-wegmarke gesetzt. aber in natura war der abzweig nicht zu übersehen und nächste woche würden wir an dieser stelle bereits im ersten licht der morgendämmerung unterwegs sein. da würde dann nichts mehr schief gehen können. wir machten uns auf den rückweg.


schnell kam die abenddämmerung und die rehe verbellten uns empört von der idyllischen waldwiese. im rasch schwindenden licht stiegen wir den hohlweg hinauf. hatten wir uns die unter dem laub versteckten hindernisse vorhin gut gemerkt? hatten wir.


mittlerweile war es halb elf. als wir zum wartenden jeepchen zurück kehrten, war es vollständig nacht geworden.


für die nachtwanderung nächste woche waren wir jetzt also gerüstet. die strecke, die wir heute abend gelaufen waren, war lediglich um eineinhalb stunden kürzer als das pensum der gesamten geplanten route. viel, wenn das knie schmerzt, aber ich würde mehr pausen machen und mir ansonsten vorstellen, der mustang würde mich über die strecke tragen.


Samstag, 13. Juni 2015

summertime

der sommer war endgültig ins land gezogen und er ließ sich noch nicht einmal vom wetterbericht aufhalten: schwere gewitter waren angekündigt gewesen und was war? zwei handvoll regentropfen.
 
uns war etwas bang vor unserer reise an den oberrhein, bei sommerlich heißen temperaturen hingen wir lieber im garten im schatten oder auf dem sofa rum, statt hinter dem steuer zu sitzen. aber es war noch angenehm kühl, als wir zur mittagszeit losfuhren und wir genossen jede pause im lauen luftzug.


viel zu schnell waren wir an unserem bestimmungsort angelangt, mit einem spannenden hörspiel war die fahrt wie im flug vergangen und wir warfen einen blick aufs navi. nach norden führte ein dünnes strichelchen, so ein kleiner umweg wär noch im zeitplan drin.


das sträßchen führte aus dem ort hinaus mitten in die weinberge. in der dunklen und engen hohlgasse warnte das entgegenkommende motorrad mit hupen. zum glück war es kein anderer fluchtwagen, das wär bös knapp geworden.


wir verbrachten einen schönen nachmittag mit lieben leuten und machten uns am frühen abend auf den heimweg. eine knappe stunde folgten wir der bundesstraße, freuten uns über die liebliche landschaft und urige ortschaften.


im licht der untergehenden sonne brausten wir heimwärts.



Donnerstag, 4. Juni 2015

hitzewelle

mein erster besuch in marburg lag schon etliche jahre zurück: ich war damals auf dem rückweg von einer studienreise aus dem seinerzeit noch eingemauerten berlin gewesen und machte einen zwischenstop in marburg, um einen freund zu besuchen. das waren noch zeiten, als ich brav mit bus und bahn gereist war ...

jetzt wollte ich wieder einmal nach marburg, einfach, um zu sehen, wie es dort ist und so öffnete ich schon frühmorgens das dach und ließ die frische luft herein. allzulang würde sie nicht frisch bleiben, der wetterbericht hatte sonne pur angekündigt.


ich ließ mir sehr viel zeit, denn ich wollte erst zum mittagessen in marburg sein und so kurvte ich ganz entspannt über die kleinen sträßchen im hintertaunus. die temperatur stieg und stieg und irgendwann wurde es mir durch die sonne zu warm und ich schloß das dach. ich programmierte das navi auf den direkten weg und gab gas.


marburg hat es ganz schön in sich. man kann unten an der lahn auf den wiesen parken, allerdings ist das bei hochwasser nicht zu empfehlen, es sei denn, man ist scharf auf eine innen- und aussenwäsche. die altstadt ist steil, eng und verwinkelt, zu fuß kommt man da ganz schön ins schnaufen. aber dann gibt es ja noch das parkhaus mit dem verlockenden namen "oberstadt" ... ich musste es ein wenig suchen, aber schließlich stand ich vor der einfahrt. 1 meter 80 lichte höhe. hm. reicht das? es reichte. am klinkelbalken klingelte nichts. ist halt doch ein kleines jeepchen ... und das beste: im parkhaus geht ein aufzug ganz nach oben in die stadt. nix mit treppenklettern.

ich staunte, wieviele radfahrer den weg samt radel in die oberstadt gefunden hatten. klar, an der lahn lässt es sich schön rollen, aber das ganze gelerch hier hoch schleppen? wenigstens gehts nach unten fix.


gegenüber der stadt, auf der anderen seite der lahn trohnt der spiegellustturm. eine abenteuerliche anfahrt über vierspurige universitätsklinikzufahrten führt dort hin. der besuch lohnte sich. der ausblick von dort war einfach wunderbar.

übers land machte ich mich wieder auf den weg richtung süden. ein auge hatte ich immer auf dem navi, dünne strichelchen zeichneten sich ab ...


mittlerweile war es schon richtig heiß geworden und für die nächste rast setzte ich mich nur allzu gern in den schatten. von einem hügel im ebsdorfer grund aus ließ ich noch einmal meinen blick über die landschaft schweifen.


in butzbach fuhr ich einen umweg durch die ehemalige housing area. vor fünf jahren war ich hier mit dem rad zum schnüffeln gewesen und ich hatte mich bei einer riesigen trauerweide in den kühlen schatten unter die bis auf die erde reichenden äste gestellt. aber ich fand die weide nicht mehr wieder, in der housing area war sehr viel gebaut worden. ich verschnaufte nochmal kurz, dann machte ich mich auf den heimweg.