ich träume schon eine ganze weile davon, einmal komplett durch eine
ganze nacht zu wandern und hatte dafür auch schon eine idee für die
geeignete strecke. nächstes wochenende ist es nun soweit: gegen elf
nachts würden wir los gehen und zur morgendämmerung am zielort
einlaufen, einer herrlich gelegenen kapelle auf einem bergrücken. wir
wären wahrscheinlich totmüde und durchgefroren, aber erfüllt vom
erlebnis. die strecke stand also grob, einen teil bin ich vor jahren
einmal mit dem bike gefahren, aber der letzte teil, den musste ich noch
austüfteln.
endlich
hatte es nach den endlos trockenen letzten wochen wieder einmal
geregnet und dichte dampfschwaden stiegen aus den taunuswäldern auf.
wir hatten unseren fuhrpark um ein weiteres mitglied erweitert und nutzten heute den ausflug für eine erste ausfahrt.
die
route, die ich ausgesucht hatte, begeisterte uns und der mustang schlug
sich selbst auf dem weichen und unebenen untergrund wacker. die tour
war eine reine freude.
der
letzte wegabschnitt würde gerade in der nacht eine herausforderung
sein, denn es ging einen hohlweg hinab, der mit trockenem laub
aufgefüllt war und darunter verbargen sich steine und dicke äste. als
wir das tal erreichten, gelangten wir zu einer herrlichen wiese.
jetzt
führte der weg den talgrund entlang, um dann leicht bis zur landstraße
anzusteigen, von wo aus wir nachtwanderer die letzten zwei kilometer vor
uns hätten.
plötzlich erblickten wir vor uns auf dem weg ein reh.
es
stand mit dem hintern zu uns und nahm uns zunächst nicht wahr. äsend
verschwand es im tiefen gras und wir näherten uns vorsichtig. aber es
blieb verschwunden. vielleicht war es im schutz des hohen grases von uns
unbemerkt in den wald gelaufen.
wir erreichten die
landstraße, querten und folgten dem weg bis zum nächsten abzweig. auf
der karte des gps-geräts war der abzweig nicht zu erkennen gewesen und
ich hatte nach gefühl die gps-wegmarke gesetzt. aber in natura war der
abzweig nicht zu übersehen und nächste woche würden wir an dieser stelle
bereits im ersten licht der morgendämmerung unterwegs sein. da würde
dann nichts mehr schief gehen können. wir machten uns auf den rückweg.
schnell
kam die abenddämmerung und die rehe verbellten uns empört von der
idyllischen waldwiese. im rasch schwindenden licht stiegen wir den
hohlweg hinauf. hatten wir uns die unter dem laub versteckten
hindernisse vorhin gut gemerkt? hatten wir.
mittlerweile war es halb elf. als wir zum wartenden jeepchen zurück kehrten, war es vollständig nacht geworden.
für
die nachtwanderung nächste woche waren wir jetzt also gerüstet. die
strecke, die wir heute abend gelaufen waren, war lediglich um eineinhalb
stunden kürzer als das pensum der gesamten geplanten route. viel, wenn
das knie schmerzt, aber ich würde mehr pausen machen und mir ansonsten
vorstellen, der mustang würde mich über die strecke tragen.









