Freitag, 19. Juni 2015

nachttraining

ich träume schon eine ganze weile davon, einmal komplett durch eine ganze nacht zu wandern und hatte dafür auch schon eine idee für die geeignete strecke. nächstes wochenende ist es nun soweit: gegen elf nachts würden wir los gehen und zur morgendämmerung am zielort einlaufen, einer herrlich gelegenen kapelle auf einem bergrücken. wir wären wahrscheinlich totmüde und durchgefroren, aber erfüllt vom erlebnis. die strecke stand also grob, einen teil bin ich vor jahren einmal mit dem bike gefahren, aber der letzte teil, den musste ich noch austüfteln.


endlich hatte es nach den endlos trockenen letzten wochen wieder einmal geregnet und dichte dampfschwaden stiegen aus den taunuswäldern auf.


wir hatten unseren fuhrpark um ein weiteres mitglied erweitert und nutzten heute den ausflug für eine erste ausfahrt.


die route, die ich ausgesucht hatte, begeisterte uns und der mustang schlug sich selbst auf dem weichen und unebenen untergrund wacker. die tour war eine reine freude.


der letzte wegabschnitt würde gerade in der nacht eine herausforderung sein, denn es ging einen hohlweg hinab, der mit trockenem laub aufgefüllt war und darunter verbargen sich steine und dicke äste. als wir das tal erreichten, gelangten wir zu einer herrlichen wiese.


jetzt führte der weg den talgrund entlang, um dann leicht bis zur landstraße anzusteigen, von wo aus wir nachtwanderer die letzten zwei kilometer vor uns hätten.

plötzlich erblickten wir vor uns auf dem weg ein reh.


es stand mit dem hintern zu uns und nahm uns zunächst nicht wahr. äsend verschwand es im tiefen gras und wir näherten uns vorsichtig. aber es blieb verschwunden. vielleicht war es im schutz des hohen grases von uns unbemerkt in den wald gelaufen.

wir erreichten die landstraße, querten und folgten dem weg bis zum nächsten abzweig. auf der karte des gps-geräts war der abzweig nicht zu erkennen gewesen und ich hatte nach gefühl die gps-wegmarke gesetzt. aber in natura war der abzweig nicht zu übersehen und nächste woche würden wir an dieser stelle bereits im ersten licht der morgendämmerung unterwegs sein. da würde dann nichts mehr schief gehen können. wir machten uns auf den rückweg.


schnell kam die abenddämmerung und die rehe verbellten uns empört von der idyllischen waldwiese. im rasch schwindenden licht stiegen wir den hohlweg hinauf. hatten wir uns die unter dem laub versteckten hindernisse vorhin gut gemerkt? hatten wir.


mittlerweile war es halb elf. als wir zum wartenden jeepchen zurück kehrten, war es vollständig nacht geworden.


für die nachtwanderung nächste woche waren wir jetzt also gerüstet. die strecke, die wir heute abend gelaufen waren, war lediglich um eineinhalb stunden kürzer als das pensum der gesamten geplanten route. viel, wenn das knie schmerzt, aber ich würde mehr pausen machen und mir ansonsten vorstellen, der mustang würde mich über die strecke tragen.