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Samstag, 1. März 2014

rückwärts gehts wieder raus

gestern haben wir beim abendessen bereits grob die route für den heutigen tag geplant. wir wissen jetzt, dass wir uns um die kleinen befestigten wege keine sorge machen müssen, denn sie laufen uns früher oder später sowieso in unserem navi vor die füsse. wir bestellten noch ein dunkles bierchen und zeichneten so etwas wie ein kleines roadbook: da nach süden, dort kurz nach westen in die nächste gasse, anschließend richtung ... und so weiter. danach betteten wir uns bereits am frühen abend zur ruhe. abenteuer machen müde.

die orientierung nach unserem selbst skizzierten routenplaner klappt hervorragend: die kleinen blauen hinweisschilder geben uns das nächste örtchen vor, das navi zeigt uns mit seinen dünnen strichelchen an, wo sich ein umweg lohnt.


manchmal fahren wir auch in eine sackgasse hinein, wenn sie uns interessant erscheint. auf diesen weg macht uns ein verwitterter wegweiser aufmerksam, der waldweg scheint irgendwo an der autobahn zu enden. er ist holperig und wird zunehmend rutschiger, so dass wir sehnsüchtig auf eine gelegenheit zum wenden hoffen. zum glück kommt sie, bevor wir endgültig versumpfen.


dann führt ein äußerst rumpeliges asphaltsträßchen durch ein ausgedehntes waldgebiet. keiner der bisher gefahrenen schotterwege hat uns eine solche konzentration abverlangt wie diese achterbahn. wir hopsen an einem waldweg vorbei, schauen sehnsüchtig hinein, aber der gegenverkehr ist schneller als unser entschluss, also warten wir die nächste gelegenheit ab. da ist sie:


wie bereits gestern könnten wir hier noch stundenlang unsere zeit verbringen, aber wir wollen heute noch zum kloster orval, die ruinen besichtigen und klosterbier kaufen. ja, genau in dieser reihenfolge!
also legen wir einen zahn zu.


aber halt! was ist das? gerade erholen wir uns von einer anstrengenden treibjagd durch eines dieser elendig flotten belgischen autos, da erspähen wir das kleine strichelchen im navi, das links von unserer straße abzweigt, um wenige hundert meter weiter wieder darauf zu treffen. so ein kleiner abstecher wird ja wohl noch erlaubt sein ...


die ganze geschichte wächst sich zu einem wahren abenteuer aus. jetzt ist der kriechgang gefragt, denn durch diesen ozean wollen wir unbeschadet hindurchkommen. wir staunen nicht schlecht, als wir eine brücke mit schiedeeisernem geländer passieren. für ihre schotterwege lassen sich die belgier wirklich so einiges einfallen. kompliment!

jetzt bleibt uns aber wirklich der mund offen stehen. wo sind wir denn hier gelandet!?


bevor wir in den tiefen des berges verschwinden, entscheiden wir uns wieder für einen geordneten rückzug. kriechen im rückwärtsgang.

jetzt ist genug, wir lassen sogar den foret de herbeumont, der uns auf unserer belgien-karte so einladend anlacht, links liegen. ab nach orval.


der richtige ort, um ruhe zu finden.

und der richtige ort, um uns von belgien zu verabschieden. danke schön, wir hatten eine großartige zeit in diesem herrlichen land, wir kommen wieder!


spätestens, wenn das bier alle ist ...

Freitag, 28. Februar 2014

keine angst vor spinnen

wir sind etwas aufgeregt, als wir morgens aufwachen. was erwartet uns? schließlich sind wir nicht nur wegen dem belgischen bier hierher gekommen, sondern in der hoffnung, dass uns die eine oder andere schotterstrecke unter die räder kommt. in der dämmerung gestern abend hat uns das fahren ein wenig gestresst, die belgier selbst fahren flott, während wir mit unserer beschlagenen scheibe kämpften, nervös auf die aussentemperatur schielten und dabei an die langen unterhosen daheim im schrank dachten, den schlaglöchern auswichen (haben belgische autos andere fahrwerke?) und enttäuscht wahrnahmen, dass die abzweigungen in die ersten "fahrwege" alles andere als feld- und waldwege sind. in schottland hatten wir diese straßen als "single-track-roads" kennengelernt. nix schotter. dann war da aber noch dieser panzer auf der verkehrsinsel gewesen ...  den, so beschliessen wir beim frühstück, schauen wir uns als erstes an. wär doch gelacht, wenn wir nicht irgendetwas interessantes zu erzählen hätten.

wir sind noch keine fünf minuten unterwegs und folgen einer kleinen straße, die zuhause schon längst das verbotsprädikat "landwirtschaftlicher verkehr frei" hätte, als uns im navi das kleine spinnenbeindünne strichelchen auffällt, das rechts abzweigt. uns bleibt schier das herz stehen:


genau das haben wir gesucht! haben wir das verbotsschild übersehen? nein, es gibt keins.

jetzt tun wir gut daran, dem navi zu vertrauen. ein ganzes netz von strichelchen taucht vor uns auf. wenige wege sind gesperrt und wir haben mehr als genug damit zu tun, die zu fahren, die wir dürfen.


wir fühlen uns im paradies!


nicht alles, was hier erlaubt ist, erscheint uns vernünftig. immerhin sind wir alleine unterwegs, haben zwar den bergegurt im kofferraum, aber ohne zugfahrzeug oder seilzug nutzt uns das auch nichts. da sind wir zuweilen recht froh über unseren handlichen wendekreis und nehmen den nächsten weg in angriff. 


was ist das für eine freude! aber wenn wir so weitermachen, kommen wir nicht vom fleck. heute abend beziehen wir ein quartier mitten in den ardennen, dazu müssten wir noch ein stückchen weg hinter uns bringen.

am signal de botrange halten wir auf der höchsten stelle des venns, sogar auf der höchsten von ganz belgien, und vermissen auf unserem moorspaziergang im eisigen wind schmerzlich die langen unterhosen. ist das da hinten die kühlwasserwolke vom kraftwerk weisweiler, das wir gestern gesehen hatten?


kurz vor spa probieren wir nochmal unser glück: gibt es hier spinnenbeindünne strichelchen? es gibt sie, rund um das kleine örtchen herum, in dem wir die nationalstraße verlassen haben. eins sieht besonders vielversprechend aus, es verlässt das dorf, scheint die talsenke zu queren und nördlich auf die straße zu treffen, der wir ohnehin folgen müssen. bevor wir uns in dieses abenteuer stürzen, bremsen uns einheimische auf ihrem quad aus. wir können zwar auf französisch ein bier bestellen, aber erklären, was wir hier treiben ... und dann womöglich noch wenden müssen und nochmal dran vorbei ... wir entscheiden uns für einen geordneten rückzug.


in la roche-en-ardenne füllen wir diesel nach. das städtchen wirkt sehr einladend, aber es hat wieder begonnen, zu regnen. wir sind müde, hungrig, freuen uns auf unser quartier. die straße windet sich aus dem engen tal der l'ourthe auf die höhe hinauf, die belgier hinter uns drängeln erneut. ein letztes mal biegen wir auf einen "fahrweg" ab.


ehrlich gesagt: wir sind heilfroh, als wir heil wieder aus diesem wald heraus kommen. uns sind auf den straßen einzelne holzlaster begegnet, nicht auszudenken, wenn uns jetzt einer entgegenkäme. schon ein goggomobil würde uns auf diesen aufgeweichten wegen in böse bedrängnis bringen.

genug abenteuer. morgen ist auch noch ein tag.

zum abschluss noch der panzer von heute früh. er bewacht den eingang zum camp elsenborn:


Donnerstag, 27. Februar 2014

une biere, s'il vous plait

das ist unsere größte sorge: nach belgien zu fahren und dann kein bier bestellen zu können, weil die letzte französisch-stunde in der volkshochschule so lange zurück liegt. hätten wir vielleicht doch noch einen crashkurs ...? gut gerüstet hingegen fühlen wir uns mit unserer belgischen straßenkarte, in der "fahrwege" markiert sind. unter "fahrwegen" stellen wir uns all das vor, was unser herz höher schlagen lässt. etwas stutzig macht uns, dass auf dieser karte alle straßen auf der deutschen seite als "fahrwege" dargestellt sind. wenn es in deutschland aufregende "fahrwege" gäbe, das wüssten wir, oder?

wir gehen es ganz langsam an. zunächst liegt zwischen uns und belgien ein ordentliches stück autobahn. selbst das bringen wir gemütlich hinter uns. in einer kleinen autobahnraststätte mit gepflegtem örtchen kümmern wir uns um unseren koffeinpegel und bewundern die mädels, die sich für einen zünftigen karnevalsbesuch in köln oder bonn oder sonstwo bereit machen: die eine schwenkt die haarspraydose, die andere die sektflasche. viel spaß!

einen kurzen besuch statten wir dem rheinischen braunkohlerevier ab. seit wir vor jahren in der lausitz tourten, haben wir einen heidenrespekt vor diesen riesigen kohlegruben, kraftwerken und den orten und straßen, die ganz langsam in den gigantischen baggerschaufeln verschwinden. landschaft im wandel.


auf dem weg ins hohe venn quert unsere straße ein ums andere mal die panzersperren des westwall. diese betonklötze ziehen sich durch felder, durch wälder, manchmal auch einfach durch gärten.

das thermometer zeigt knapp 1 grad, als wir die belgische grenze überfahren und in den regen mischt sich schnee. heute machen wir uns das mit dem bier noch einfach: in den belgischen ostkantonen können wir uns getrost mit deutsch verständigen.

was erwartet uns morgen?