ich
war im juni gerade aus meinem zweiwöchigen urlaub zurück gekehrt und
hatte gespürt: das war zu kurz, ich muss dieses jahr nochmal weg. dann
erinnerte ich mich an meine londonreise vor zwei jahren und tippte in
die suchmaschine: hotel & london & september. keine 10 minuten
später hatte ich mir eine woche übernachtung zu einem unschlagbar
günstigen preis gebucht. knapp 75 euro statt der üblichen 150 pro nacht,
war da auch kein haken dran?
aber ich musste mir keine
sorgen machen, ich wurde erwartet und mein zimmer lag im
studentenwohnheim eines college. in den semesterferien werden die räume
als b&b genutzt. welch ein glück für mich!
in den
folgenden tagen schnürte ich wieder zu fuß und - als ich gelernt hatte,
woran ich mich mit den zahlreichen buslinien orientieren konnte - mit
den roten doppeldeckern kreuz und quer durch london.
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| endlich
war es soweit und ich setzte mich in den zug, der mich bequem erst nach
brüssel und danach mit dem eurostart durch den kanaltunnel direkt mitten
nach london hinein bringen sollte. kaum tauchte der zug in dover wieder
ans tageslicht zurück, begann der regen. er sollte mich in den nächsten
tagen immer wieder unter den schirm und schließlich in die roten
doppeldecker-busse scheuchen. |
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| juhu, london! ich quetschte mich mit meinem rucksack an harrods vorbei und verschloss die nase vor den dichten parfumschwaden. wahnsinn, vielleicht gehören zu einem londonbesuch ja harrods und london eye und was-weiß-ich-noch-alles einfach dazu. aber mir stand der sinn nach etwas anderem. ich spannte den schirm auf und marschierte richtung college. |
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| zum frühstück musste ich mitten in den college campus. im "senior common room" wurden bestimmt hunderte von gästen verköstigt und es war ein genuß, dem treiben zuzuschauen. wer holt sich heimlich mehr toast als erlaubt? und wer schaufelt das frühstück in sich hinein, als würd es gleich jemand klauen? und wer würde zu david gilmore's konzert in die royal albert hall gehen? |
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| ich marschierte einfach richtung themse los und staunte unterwegs über enge höfchen, ozeangroße wasserpfützen und schicke geschäfte. und immer wieder auch über die wohnungen im "lower ground", zu denen eine enge treppe von der straße aus hinabführte. mein zimmer war auch lower ground, aber ich war nur auf urlaub hier. wie aber lebte es sich auf dauer im lower ground, als aussicht nur eine mauer vor der nase? |
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| die auf den bussen angezeigte endstation sagte mir nicht immer etwas, sie konnte ja weiß-ich-wo liegen. "oxford circus" ist natürlich schon ein begriff. das mit den bussen ging so: an der bushaltestelle ist die nächste angefahrene bahn- oder undergroundstation angezeigt. wenn ich in etwa wusste, wo die liegt, konnte ich entscheiden, ob ich in diese richtung wollte oder nicht. ausserdem kostet ein tagesticket für den bus gerade mal 5 pfund. wofür sollte ich mir also die sohlen meiner teuren wanderschuhe ablaufen? |
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| stadtrundfahrt gefällig? ab in den bus. diese linie fuhr mitten durchs geschehen und aus dem oberdeck hatte ich eine grandiose aussicht selbst auf die besucherscharen vor 10, downing street. |
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| eigentlich wollte ich ja zur tower brigde, aber dann fuhr der bus die station "euston" an und ich beschloss spontan, auszusteigen. es war ein herrlicher tag und ich wanderte nach camden. da gibt es alles, was das herz begehrt: äußerst freundliche menschen im post office, urige pubs (ich war nicht drinnen, war doch erst vormittag!) und schließlich dann hier diese verrückten geschäfte. ich landete in "camden lock", einem alten gewerbekomplex, in dem jetzt bunte marktstände zum shoppen von hippieklamotten und räucherstäbchen einladen. |
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| ich hatte leckere pasta gegessen und die sonne wärmte, ich stieg wieder in den bus und ließ mich durch die stadt richtung nordwesten kurven. mein ziel lag im südwesten und als der bus den kanal querte und mein blick auf diesen einladenden pub fiel, da vergass ich, dass erst früher nachmittag war, stieg aus und ließ mir ein kleines pint schmecken. brav schrieb ich meine urlaubspostkarten und wanderte dann am kanal entlang nach süden. |
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| noch einmal nahm ich das projekt "tower bridge" in angriff und es schien, als ob ich den richtigen bus erwischt hätte. aber kurz vor elephant und castle bog er scharf nach süden ab. nach weiteren zwei stationen stieg ich aus und wanderte durch einen park mit herrlichen bäumen zurück zu elephant und castle. boah, was für ein schock! elephant und castle ist eine zentrale kreuzung von underground und straßen. ausserdem ein riesiges, schon etwas in die jahre gekommenes einkaufszentrum. chaos und menschenmassen hoch zehn, nix wie weg. schließlich näherte ich mich der themse, aber da wartete schon die nächste ablenkung ... |
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| da lag die HMS Belfast. sie ist ein ausgedientes kriegsschiff, das im nordmeer und bei der landung in der normandie im juni '44 eingesetzt gewesen war. als ich sah, dass auf dem schiff leute rumliefen, ließ ich meinen vorsatz, meine zeit nicht in einem museum zu verbringen, sofort fallen und leistete mir den eintrittspreis für das besucherticket. eine gute, gute, gute entscheidung! |
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| ich war bestimmt zwei stunden beschäftigt, enge leitern hoch und runter zu klettern, in die verschiedensten bereiche zu schauen, zu lauschen und zu schnüffeln: die gefechtsstationen, die kommandobrücke, die kapitäns-, admirals-, offiziers- und mannschaftsunterkünfte, die küche, die vorratsräume, die werkstattbereiche, die wäscherei, die funk- und radarstationen, die kapelle, der postbereich, der boiler- und maschinenraum, die strafzellen, der krankenbereich .... es war spannend hoch zehn und die räume waren sogar mit den entsprechenden geräuschen und gerüchen ausgestattet wie geschirrklappern, seifenlauge, der typische zahnarztgeruch, ja selbst die beatmungsmaschine im op-raum. |
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| und dann erreichte ich endlich die tower bridge! |
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| mit dem bus fuhr ich müde zurück ins hotel. ich hatte eine linie erwischt, die mich durch stadtteile führte, die ich noch nicht gesehen hatte, von denen ich noch nicht einmal gehört hatte, wie z.b. holborn. ich hatte also stoff für meine nächste reise. auf der oxford street herrschte heilloses chaos. rushhour. und an der park lane warf ich wieder einen blick in die foyers der feinen hotels. dort gab es leute bei ihren empfängen zu sehen, sie hatten sich sehr schick gemacht und die schuhe der damen sahen äußerst umbequem aus ;-) |
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| frühmorgens um viertel vor vier weckte mich ein durchdringender ton: feueralarm. schlaftrunken schlüpfte ich in shirt und hose und wankte vor die tür. in allen drei unterkunftsblocks der straße schrillte der alarm und die leute waren teilweise in ihren schlafanzügen und barfuß nach draußen geeilt. was war los? hatte jemand im zimmer geraucht oder schlimmeres? nach einer viertelstunde war der spuk vorbei und ich konnte wieder zurück. zum glück würde ich meinen fehlenden schlaf im zug auf der rückreise wieder nachholen können. | | |
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