Freitag, 2. Oktober 2015

der erste rauhreif im goldenen herbst

leichtsinn ist kein guter berater beim kofferpacken und ich hätte die langen unterhosen gut und gerne aus ihrer sommerfrische wecken sollen, september hin oder her. immerhin reiste ich in den schwarzwald und zwar auf 1000 meter über meereshöhe. dort schien am wolkenlosen himmel zwar hell die sonne, aber der wind fegte schon beinahe in orkanstärke über die höhe, am donnerstagmorgen zeigte das thermometer knapp 0 grad und das jeepchen war dick zugefroren. bibb. höchste zeit, mich bald um neue winterreifen zu kümmern ...

hier ging es nicht mehr weiter und zum glück sah ich das sofort. wenn ich den weidezaun, der über den weg gespannt war, kaputt gemacht und hätte reparieren müssen, dann hätte ich mir bös den hintern abgefroren. die sonne täuscht nämlich ...
nur eine knappe handvoll dosen waren in einem überschaubaren gebiet versteckt, aber was für welche! sie forderten mir alles ab. und so erkundete ich das gelände erst einmal in aller ruhe.
ich musste in einen dachfirst klettern, mich einer hochspannungssteckdose nähern, durch den untergrund kriechen ... wer hat nur dieses dämliche hobby "dosensuchen" erfunden? könnte ich nicht papierblumen falten oder sonst etwas anderes tun? aber was sollte ich dann hier schreiben?
im hellen sonnenlicht glitzerte der bach, der das waldmoor entwässert. die baumfälltruppe machte gerade pause, vorsichtig hatte ich mich an den abgestellten kettensägen vorbei geschlichen, und es war ganz still im wald.
keine ahnung, wie oft ich hier vor jahrzehnten über die brücke geritten war. wir waren immer sehr, sehr vorsichtig gewesen und hatten achtsam darauf gelauscht, ob das morsche holz das gewicht unserer pferde tragen konnte. vor einigen jahren war die brücke nun renoviert worden und ich konnte bedenkenlos mit dem jeepchen drüber fahren. ein schönes wiedersehen!
in höchenschwand gibt es alle zwei jahre ein strohskulpturenfestival. verschiedene vereine basteln figuren oder schaubilder und bei den ganzen tollen ideen vermute ich, dass da erhebliche mengen alkoholischer erfrischungsgetränke im spiel sind. schon klar, schließlich waren die vorbereitenden arbeiten in der sommerlichen hitze begonnen worden ...
weil sich herum gesprochen hatte, dass ich eine schwäche für kleine sträßchen habe, hatte meine reisegesellschaft sich im vorfeld kundig gemacht und lotste mich nun über minikleine sträßchen in eine enge schlucht. meine höhenangst verstaute ich im kofferraum und deckte sie sorgsam zu, die konnte ich auf diesem weg ganz und gar nicht gebrauchen.
im talgrund erwartete uns ein stiller stausee. wir machten eine kurze pause, vertraten uns die beine und beratschlagten den weiteren weg. wir waren uns einig: hier waren wir noch nie gewesen!
an der letzten kreuzung hatten wir ein wenig geschwankt: links oder rechts? wir entschieden uns für den linken abzweig und kamen kaum noch aus dem staunen raus. was für eine schlucht! an einer stelle, an der wir den nachfolgenden verkehr vorbei ließen, querte ein metallener steg den bach und der wanderpfad, der sich an den felsen entlang wand, sah mehr als einladend aus. ein stück weiter hatten die straßenbauer dem bach noch einen eigenen felsdurchlass geschlagen und ich fragte mich, wie heftig es da zugehen würde, wenn der schnee auf den höhen schmolz und das tauwasser sich durch das enge tal drängte.
nach unserem schluchtenabenteuer ließen wir es am nächsten tag ruhiger angehen und fuhren ins sonnige freiburg. seit ende der 60er jahre gibt es auf einem ehemaligen stadteigenen hofgut einen tierpark, der nach und nach ausgebaut worden war und den tieren mittlerweile großzügige und naturnahe gehege bot. hier lässt sich ein schöner herbsttag gut verbringen.
und dann war es leider wieder zeit, nach hause zu fahren, mein urlaub neigte sich definitiv dem ende zu. am montag würde die arbeit wieder los gehen ... um mir den abschied zu versüssen, schwenkte ich noch einmal in einen kleinen weg ein und drapierte das jeepchen vor dem wunderschönen panorama:
schön wars gewesen!




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