endlich hatte ich urlaub! zwei wochen lang kein büro, nur frische luft, sofern ich das wollte, denn der wetterbericht versprach mehr als durchwachsenes wetter. naja, hauptsache raus. ich fuhr in die rhön.
ich hatte mir vorgenommen, ein wenig durch die wälder zu wandern, dazu ein paar dosen zu suchen und abends lecker zu essen. müde dann ins bett zu fallen und morgens ohne wecker erfrischt von der erholsamen nacht aufzustehen.
das gps-gerät war mit 500 geocache-koordinaten bestückt und die alte rhön-wanderkarte im rucksack verstaut. jetzt hatte ich die qual der wahl.
es gab ein paar cache-serien, die ich auf einer rundwanderung anlaufen könnte und ich machte mich auf den weg zu den nächstgelegenen parkkoordinaten. aber natürlich verfuhr ich mich und entdeckte dabei, dass ich in der rhön noch dazu hervorragend greenlanen konnte. diesen kilometerlangen weg mitten durch den wald hätte ich mit 40 km/h befahren können. aber es war so staubtrocken, dass ich es freiwillig bei 10 km/h beließ. so hatte ich auch länger was vom vergnügen.
ich machte mich auf die suche nach den ersten dosen, die sonne hatte die luft erwärmt und ich war froh, als ich vom breiten weg auf einen kleinen überwachsenen, schattigen pfad abbiegen konnte.
es war genau das wetter, wie ich es liebte: in der sonne einen tick zu warm, im schatten so kühl, dass ich bald fröstelte. ich konnte mir in jeden moment aussuchen, was ich gerade brauchte.
ich kam an einer obstwiese mitten im wald vorbei. wie gut mussten die früchte von diesen bäumen schmecken, die in der stille des waldes reifen durften.
müde (und mit ein paar dosen mehr in der statistik) kehrte ich zum auto zurück. dach auf und frische luft hinein, zurück zum hotel, ich hatte durst auf ein kühles bier.
für den nächsten tag hatte ich mir wieder eine rundwanderung, gespickt mit geocaches, ausgesucht und vertrauensvoll folgte ich dem schild zum "wanderparkplatz".
die gps-koordinaten führten mich durch einen hohen kiefernwald, der boden dick mit heidelbeeren bewachsen. ich erinnerte mich an die heidelbeer-pflück-nachmittage mit meiner oma und fühlte mich sofort heimisch. die rehe waren allerdings gar nicht von mir begeistert. sie verbellten mich.
schon gut, schon gut, ich ziehe ja schon weiter!
für den rückweg hatte ich mir noch etwas besonderes aufgehoben. wenn ein geocache den namen "mal was anderes" trägt, dann war ich mehr als gespannt. auch der weg dorthin war vielversprechend.
und er war genial, der cache! mehr verrat ich hier nicht, das muss man einfach mit eigenen augen gesehen haben.
zurück zum hotel, das kühle bier winkte.
am nächsten morgen erwachte ich und fror. das thermometer meldete 3 grad. 3 grad! und da wollte ich mich einen ganzen tag lang durch die wälder der rhön schlagen? ich ließ es wieder gemütlich angehen.
dieser weg war so offiziell, dass mir nicht nur ein mütterchen in ihrem kleinen polo begegnete, sondern auch die stadtarbeiter auf dem weg zum grasschneiden. alle grüßten herzlich.
ich bog wieder rechts ab, fuhr etliche kilometer (wieder im schleichtempo, der regen war noch immer ausgeblieben) durch den wald und wunderte mich, wo ich landen würde. mein navi hatte längst kapituliert. in einem kleinen ort gelangte ich wieder auf asphaltierte straßen. ich war im letzten dorf vor der thüringischen grenze angekommen. ab nach drüben, der himmel zog sich zu.
oben auf dem hügel war einer der alten wachtürme erhalten geblieben. direkt daneben stand das weltfriedenskreuz. eine dose fand ich dort auch. und schließlich auch die ersten regentropfen.
in sichtweite des wachtturms war die alte grenzübergangsstelle henneberg. dort ist eine schauerliche sammlung von grenzsicherungsanlagen ausgestellt, die ich mir vor jahren schon einmal angeschaut hatte. heute zog es mich auf die burgruine, von dort oben würde ich eine wunderbare aussicht haben.
öffnungszeiten? fehlanzeige, hier konnte man immer rein und hoch auf den turm. die aussicht war wirklich grandios.
ich blieb auf thüringischer seite, wollte auf kleinsten sträßchen östlich der grenze entlang fahren. mitten in einödhausen (welche ein passender name für einen ort, der einmal am a.d.w. lag) ein abzweig in einen schotterweg, ortsende und entfernung zum nächsten ort angezeigt. greenlaning, hurra!
zu früh gefreut. nach wenigen hundert metern waren nur noch forstautos erlaubt. da ich meine kettensäge mal wieder nicht dabei hatte, suchte ich mir am waldrand einen platz für mein mittagspicknick. ein kräftiger regenguss ging nieder und ich saß geschützt unter bäumen und ließ meinen blick schweifen.
bei berka querte ich in strömenden regen wieder nach bayern. das bier rief.
abends lockte mich der herrliche himmel auf einen verdauungsspaziergang hinaus. junge füchse huschten ins gebüsch und das land deckte sich mit der dämmerung zu.
wie schnell waren diese herrlichen tage verflogen, es ging wieder nach hause. hier war ich bestimmt nicht zum letzten mal. es gab noch viele dosen zu bergen und jede menge wege, die ich noch fahren wollte.


















