Samstag, 17. August 2013

ein tief hängt über skandinavien

bereits nachts weckt uns der prasselnde regen auf dem zeltdach. das zelt ist dicht, also wär das nicht so schlimm, aber wir hatten jetzt nicht gerade vor, die nächsten wochen an diesem, wenn auch schönen, platz zu verbringen. heisst: nasses zelt ins auto. nasses zelt! wie sonst sollen wir das biest trocken kriegen? heringe im fluchtwagen versenken und das ding aufspannen? in der ersten regenpause nutzen wir unsere chance, falten unsere nasse, schwere behausung zusammen und stopfen sie in die wasserdichte schuhkiste. es wird sich etwas ergeben. nach einem flüchtigen frühstück machen wir uns im strömenden regen auf den weg. 

abwechslung vom regenwetter bietet der 24 km lange laerdalstunnelen. alle paar kilometer weitet sich die dunkle tunnelröhre in eine in phantastisches blaues licht getauchte parkbucht. es ist wenig los im tunnel und wir können ungestört staunen.


es regnet und regnet und regnet und zu allem unglück ist der gudvangentunnelen gesperrt. wir kommen also zum nächsten fjord, aber von da aus nicht mehr weiter. wir könnten zurück, wir könnten einen riesigen umweg über die berge machen, wir könnten ... die laune sinkt ins bodenlose, nachdem wir noch dazu vergeblich versuchen, auf einem campingplatz eine hütte oder in einem der hotels an der strecke ein zimmer zu ergattern. nichts zu machen. jetzt hilft nur eins: in der touristenhochburg flam einkehren, das letzte hotelzimmer im vermutlich kostbarsten hotel am platze beziehen und unsere barschaft in norwegischen alkoholsteuern anzulegen.

im vordergrund eine bunte auswahl von schlechtwetter-medizin, im hintergrund der urige winkinger-pub

so recht können wir uns nicht entscheiden, der regen und flam mit seinen touristenmassen und souvenirläden zehrt an unseren nerven: weder lockt uns eine spektakuläre bahnfahrt, noch eine schiffstour durch die fjorde. aber viel hilft viel und so lassen wir uns nochmal ordentlich von der schlechtwetter-medizin nachschenken, unterhalten uns mit einem äußerst interessanten quantenphysiker, wälzen landkarten und entscheiden schließlich: wir müssen übers gebirge, wir müssen über die hardangervidda.

am nächsten morgen sieht die welt schon wieder freundlicher aus und bevor wir die berge in angriff nehmen, schlendern wir nochmal am wasser entlang. sehnsüchtig schauen wir den großen pötten nach. könnten wir den fluchtwagen nur im handgepäck auf so ein schiff packen ...


aber die fahrt durchs gebirge entschädigt. die straßen sind kaum befahren, wir können durch die kurven kreuzen, dass es eine wahre freude ist. zur stärkung kehren wir in einem cafe am straßenrand ein, kaffee wär jetzt gerade richtig und dann werfen wir einen blick in die tortentheke und sind hin und weg. oberlecker!

wieder fällt unsere wahl auf eine turisthytte. die turisthytten gehören zum netzwerk der bewirtschafteten und selbstbedienungshütten im hochland, jeweils etwa eine tageswanderung voneinander entfernt. die zimmer sind sauber und in der regel einfach, ebenso die sanitären anlagen, dafür gibt es neben dem gastraum eine äußerst gemütliche und gut geheizte stube, in der sich ein abend hervorragend mit spielen, lesen, reden oder auch nichts-tun verbringen lässt.

inzwischen lugt die sonne zwischen den wolken vor, es ist abgetrocknet und ein frischer wind geht übers land. wir nutzen sofort die chance und breiten das nasse zelt auf den glatten felsen vor der hütte aus. in nullkommanix sind die planen trocken und wir können wieder ordnung im kofferraum schaffen.



wir wandern wieder ins hochland hinein, nur wenige meter von der straße, vom parkplatz, von der hütte entfernt, ist nur noch natur um uns herum und unser blick verliert sich in der weiten hardangervidda. von ganz dahinten, irgenwo hinter den bergen, sind wir gestern morgen aus unserem nassen zelt gekrochen.


das kuriose in dieser turisthytte ist der gusseiserne bullerofen im zimmer, nix mit zentralheizung, und da der strom aus dem generator kommt, ist er von 23 bis 7 uhr abgeschaltet. wir legen schon mal die taschenlampen bereit, schließlich sind dusche und klo auf dem flur. nachts rüttelt der wind am fenster und der regen kehrt zurück. kalt und scharf kriecht der wind unter unsere jacken und es wird zeit, wieder aufzubrechen.


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